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Pragmatisches Wissensmanagement – Realität oder Utopie?



„Suchet und ihr werdet finden!“ – Dies wünschen sich Mitarbeiter nicht nur im Internet, sondern auch für das firmeneigene Intranet mit seiner großen Vielfalt an Informationsressourcen. Diese Erwartung können moderne Suchmaschinen erfüllen. 

 

Der einfachste Ansatz für viele Projekt- und Arbeitsgruppen ist das sauber organisierte Dateisystem, in dem mit einer klaren Verzeichnisstruktur z. B. zuerst nach Kunden und dann nach Projekten eine Sortierung relevanter Dokumente erfolgt. Wie findet man hier jedoch ein Dokument zu einem Thema ohne Kenntnis des Kunden- oder Projektnamens?

Websites, die zum Teil auch durch Content-Management-Systeme verwaltet werden, stellen einen weiteren wesentlichen Beitrag zum Wissenspool eines Unternehmens dar. Davon gibt es meist viele und die Navigationsstruktur entspricht typischerweise eher der ergebnisorientierten Sichtweise der Autoren als der problemorientierten der Nutzer. Kommen noch weitere relevante Datenbanken, Lotus-Notes-Systeme, E-Mail-Folder und spezielle Applikationen hinzu, wird die Informationsvielfalt zu einem nicht mehr zu durchdringenden Dschungel. Dieser Informationsdschungel lässt den Nutzer im Unklaren, an welchem Ort sich eine bestimmte Information befindet und ob diese Information überhaupt verfügbar ist.

Abhilfe schaffen in diesem Fall Suchmaschinen, die in ihrer Technologie den aus dem Internet bekannten Suchtechnologien ähneln. Sie durchsuchen periodisch relevante Dateisysteme, Websites, Datenbanken und andere Ressourcen und nehmen sie in ihren Volltextindex auf. Sie stellen wie eine Spinne im Netz eine Verbindung zwischen allen vorhandenen Informationen dar und erlauben, von einer einzigen Suchmaske im Intranet aus alle Ressourcen parallel zu durchsuchen.

Verschiedenste Dateiformate, wie PDF, Microsoft Office, Text, HTML, XML und viele andere, stellen längste keine Probleme für Suchmaschinen dar. Dokumente werden vor der Indexierung nach XML umgewandelt, um den Textinhalt in einem einheitlichen Format zu erhalten. Damit kann die Suchmaschine im Intranet übergreifend über Informationsressourcen und Dateiformate einen schnellen und sehr effektiven Zugang bieten.

Werden Suchmaschinen eingesetzt, so zeigt sich nach einer typischen Nutzungsdauer von ca. sechs Monaten, dass nun zwar eine übergreifende Suche möglich ist, jedoch häufig zu viele Dokumente gefunden werden. Der Wunsch nach einer guten Kategorisierung und einer weitergehenden Möglichkeit zur semantischen Suche wird artikuliert.

Die Kategorisierung erlaubt eine Einschränkung der Suche auf bestimmte Teilbereiche, wie man es von Yahoo und anderen Internet-Portalen her kennt. Die semantische Suche erkennt Personen, Firmen, Datumsangaben und andere Begrifflichkeiten in Dokumenten und kann diese als Suchparameter verwenden. Sie setzt daher ein Text Mining voraus, d. h. zusätzlich zur reinen Volltextindexierung eine Phase zur linguistischen oder statistischen Analyse von Dokumenten, wobei linguistische Verfahren hier eine deutlich höhere Qualität der Suche ermöglichen.

Hat eine Rechercheplattform im Intranet eines Unternehmens schließlich diese Qualität erreicht und können die Nutzer mit gezielten Profilen ihre Anforderungen formulieren, so stellt sich schnell die Frage, ob man denn wirklich jeden Morgen manuell nachschauen muss, welche neuen, interessanten Inhalte sich im Intranet ergeben haben. Push-Dienste sind die Antwort hierfür. Dies sind aktive Komponenten von Such- und Kategorisierungsdiensten, die mit entsprechenden Profilfiltern arbeiten, um gezielt Veränderungen des Informationsbestandes interessierten Personenkreisen mitzuteilen.

Die einfachste Veränderung wäre dabei ein neues oder aktualisiertes Dokument, das gerade entdeckt und zum ersten Mal indexiert wurde. In Verbindung mit einer semantischen Analyse ist es jedoch auch möglich, neu auftretende Begriffe festzustellen, z. B. wenn beim Mitbewerber zum ersten Mal der Begriff „Keyless Go“ oder „Antihypertonikum“ in den Webseiten auftaucht.

Sucht man nach passenden Produkten für diese Anwendungen, so stößt man zunächst auf einen recht unübersichtlichen Markt mit wenigen mittleren und vielen kleinen Firmen, in dem die Versprechungen einzelner Hersteller oft nur durch wenige Referenzen belegt werden. Open-Source-Werkzeuge können eine Alternative darstellen, haben jedoch auch Defizite:
• Im Gegensatz zu kommerziellen Suchmaschinen besitzen Open-Source-Systeme nur wenige Konverter, d. h. es werden weniger Dateiformate unterstützt. Bei Bedarf kann man jedoch selbst Konverter umsetzen und integrieren.
• Die Unterstützung linguistischer Komponenten ist in Open-Source-Produkten nur teilweise gegeben. Dies betrifft z. B. die Rechtschreibkorrektur von Eingaben, Stemming, Lemmatisierung und die Analyse zusammengesetzter Begriffe. Da für eine gute Qualität dieser Leistungen eine laufende Weiterentwicklung und Pflege erforderlich ist, findet man diese nur bei kommerziellen Produkten.
• Kommerzielle Produkte werden in der Regel mit einer Out-of-the-Box-Applikation ausgeliefert, d. h. sie verfügen über eine fertige, direkt einsetzbare und einfach konfigurierbare Suchmaschine. Open-Source-Plattformen müssen hingegen erst in eine Anwendung integriert werden und bieten keine graphischen Konfigurationsmöglichkeiten.

Als Vertreter der nicht kommerziellen Produkte seien Lucene und JSE (Java Search Engine) angeführt, die eine gewisse Reife erreicht haben. Im Bereich kommerzieller Produkte sind im Wesentlichen drei Anbieter zu nennen, die mit einer signifikanten Installationsbasis und namhaften Lösungen aufwarten können:
• Verity, die kürzlich die Technologie von Inktomi übernommen haben und deren Lösung damit nicht nur die eigene Software, sondern auch die von Inktomi, die der früheren Infoseek und die Kategorisierung von Quiver umfasst
• AltaVista, die mit einer leichtgewichtigen, aber hocheffizienten Suchmaschine gerade für Portale und Intranet-Anwendungen interessant sind
• FAST, deren Produkte insbesondere von hochvolumigen Websites wie Reuters, Dell, Terra-Lycos, T-Online und IBM bekannt sind und die als einzige eine hochverteilbare Architektur mit anbieten, die von kleinen Szenarien mit wenigen Gigabyte bis in den Bereich vieler Terabytes wachsen kann

Während die beiden ersten Systeme mit zentralen Indexierungs- und Suchdiensten arbeiten, stellt die FAST-Plattform Data Search ein Produkt der nächsten Generation dar: Informationssammlung, Indexierung, Content-Filterung und Verteilung sowie die Beantwortung von Suchanfragen können vollständig parallel und redundant erfolgen. Damit entspricht FAST Data Search den besonderen Anforderungen von Intranets, indem die geographische Verteilung von Informationsressourcen und Anwendern berücksichtigt wird. Push-Dienste, welche die Benutzer gemäß der hinterlegten Profile automatisch über neue Dokumente unterrichten, ergänzen das Angebot.

Alle genannten Suchmaschinen bieten auch einfache patterngestützte oder statistische Verfahren zur automatischen Kategorisierung. AltaVista und FAST gehen hier noch einen Schritt weiter: Sie setzen auf Produkte von Drittanbietern, die spezielle linguistische Verfahren anwenden, um eine hohe Qualität der Klassifikation zu erreichen. In diesem Feld zeichnet sich besonders das Produkt SmartDiscovery von Inxight durch vielfältige Möglichkeiten aus. Zu gefundenen Dokumenten können auf Basis der vorangegangenen lingustischen Analyse nicht nur die enthaltenen Begriffe (z. B. Fachbegriffe, Länder, Personen, Firmennamen, Datumsangaben), sondern auch ähnliche Dokumente und Informationen verwandter Kategorien angezeigt werden. In Verbindung mit Inxight StarTree zur interaktiven Navigation in einer Begriffsstruktur erlaubt SmartDiscovery damit das schnelle Auffinden von Informationen auch in komplexen Anwendungen.

Die Technologien für ein pragmatisches Wissensmanagement existieren heute bereits in ausreichender Qualität. Werden Such- und Kategorisierungswerkzeuge mit den Möglichkeiten üblicher Content-Management-Systeme kombiniert, entstehen mächtige Instrumente für das Wissensmanagement in Unternehmen. Die verteilten Verantwortlichkeitsstrukturen lassen sich mit ebenso verteilt arbeitenden Werkzeugen abbilden.

Getreu dem Motto „Think big, start small“ ist damit die Umsetzung von Wissensmanagement nicht mehr primär eine Frage der Werkzeuge, sondern ganz wesentlich eine Frage der pragmatischen und nutzengetriebenen Einführung: Wo kann der erste Startschuss fallen, um einen hohen initialen Nutzen zu erzielen?

Weitere Informationen unter:
www.wissensmanagement.net

Autor: Jürgen Wagner; er ist Bereichsleiter Wissensmanagement bei der Danet Internet Solutions GmbH, einem auf E-Business und E-Commerce spezialisierten Lösungsanbieter.

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