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Revolution der Lehre durch Blogs?



Peter Baumgartner, Professor an der FU Hagen, titelte kürzlich auf seiner Homepage: "Weblogs have the potential to revolutionize education". Tatsächlich zeichnet sich im Internet verstärkt eine Diskussion um Blogs und Wikis im eLearning ab. Sind solche "konstruktivistischen Lernumgebungen" wirklich der Weg der Zukunft? Oder ist Blog nur ein weiteres Buzzword für einen kurzlebigen Hype - und was sind Blogs und Wikis überhaupt? Ein kleiner Einblick in die Schulbücher der Zukunft.


Blogs
Ein Blog, abgeleitet von Weblog, ist kurz gesagt eine Mischung aus News und Tagebuch. Die Blog-Software erlaubt auch Internet-Laien, eine Website zu betreiben und Artikel einzustellen. Die chronologisch sortierten Einträge sind meist persönlich geprägte Kurzartikel oder auch nur Notizen, die sich um das Geschehen im WWW und Ereignisse  im Leben des Verfassers (Blogger) drehen. Seit einiger Zeit ist blogging in aller Munde, und entsprechend finden sich mehr und mehr Blogs, Blog-Verzeichnisse und Blog-Software, die z.B. auch Kommentare durch Besucher erlaubt oder das Erstellen ganzer Sites mit vielen verschiedenen Blogs. Auch sind Blogs längst nicht mehr eine rein private Angelegenheit, es finden sich zunehmend Blogs von Unternehmen, Hochschulen und vor allem von Fachleuten verschiedenster Gebiete.

Wikis
Wikis, abgeleitet vom Hawaiianischen wiki wiki (schnell), sind Internetsites (Seiten-Netzwerke), die vom Besucher, oder einer eingegrenzten Nutzergruppe nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Browser bearbeitet werden können. Neue Seiten können innerhalb einiger Wikis einfach durch das Anhängen eines neuen Wortes an die URL erstellt werden. Die Textbearbeitung findet in einem simplen Texteingabefeld statt, in dem mit einfachen Befehlen auch Formatierungen vorgenommen werden können. Interne Links zu Seiten die ein Wort oder Sachverhalt erklären (Wiki-Words), werden beispielsweise einfach im Text durch gemischte Groß- und Kleinschreibung (BeispielWort) erstellt; existiert für ein GroßUndKlein geschriebenes Wort keine Definition, legt das Programm automatisch eine neue Seite und somit ein neues Wiki-Word an. Externe Links werden automatisch aus Internetadressen generiert. Auch weitere Formatierungen, z.B. Listen und Absätze, lassen sich auf ähnliche Weise direkt im Text erzeugen. Durch diese simple Arbeitsweise können auch Laien an großen Webseiten mitarbeiten. Ein gutes Beispiel ist die mittlerweile sehr bekannte Enzyklopädie Wikipedia.org, die über 100.000 deutschsprachige Artikel umfasst.

Beispiele für Wikis mit eLearning-Bezug:
Diverses, zum Testen geeignet

Konstruktivistische Lernumgebungen?
Der Begriff Konstruktivismus taucht in der Diskussion um Blogs in der Lehre immer wieder auf. Im Idealfall unterstützen Blogs auch tatsächlich die Konstruktion von Wissen, also das Lernen, da die übliche persönliche Sichtweise in Einträgen und Kommentaren eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema erfordert und Diskussionen anregt. Der Lerner wird nicht, wie so häufig üblich, mit einem statischen Skript zu einem Thema versorgt, welches ihm den vom Lehrenden definierten Lernziel näher bringt. Viel mehr bekommt er kurze, aktuelle und wegen des unformellen Schreibstils recht leicht verdauliche Informationshäppchen, die zu eigener Aktivität (Recherche, Kommunikation, Kommentation) anregen sollen.

Auch Wikis lassen sich sehr gut für Lehrzwecke einsetzen. Im Vordergrund stehen hier allerdings nicht Diskussionen und Meinungen, sondern kollaboratives Arbeiten und intensive Verlinkung. Da jeder (ggf. registrierte) Nutzer neue Seiten anlegen und bestehende verändern und kommentieren kann, lassen sich mit Wikis sowohl neue Dokumente in Gruppenarbeit erstellen als auch bereits vorhandene Texte durcharbeiten. So hätte z.B. ein Lehrbuch im Wiki-Format den Vorteil, dass es ständig aktualisiert und um angrenzende Fragestellungen, Beispiele oder auch Grafiken ergänzt werden könnte. Hier zeichnet sich auch eine Parallele zum Entwicklungsprozess von Open Source Software ab, die ja ebenfalls von vielen verteilten Autoren bzw. Programmierern entwickelt wird. Zweiter Punkt ist die Verlinkung innerhalb eines Wikis. Durch die Wiki-Words beinhalten Wiki-Seiten in der Regel sehr viele Querverweise, die den Leser zu verwandten, aber auch zu völlig fremden Themen bringen. Die Eigenart eines Hypertextes wird also voll ausgenutzt; der Nutzer bleibt durch die Abwechslung länger motiviert und lernt bestenfalls auch angrenzende Themen, Fragestellung und Begriffe kennen, was wiederum das angelernte Wissen vertieft.

Neben dem eigenständigen Betrieb von Wiki-Netzen oder Blogs, können diese Tools auch in andere Programme integriert werden, beispielsweise mittels Add-On (Wiki) in das Open Source Content Management System PHP-Nuke. Vor allem aber bietet sich die Integration in Lernplattformen an, was zur Zeit allerdings noch kein übliches Feature ist. Blogs und Wikis könnten Lernplattformen als Ersatz oder Erweiterung der vorhandenen Diskussionsforen ebenso bereichern, wie als Möglichkeit Gruppenarbeiten zu realisieren, oder Nutzern private Bereiche zur Verfügung zu stellen.

Doch egal ob als Stand-Alone oder als Plattform-Add-On, Blogs und Wikis, des öfteren auch als "social software" bezeichnet, unterstützen durch Beschaffenheit und implizierte Arbeitsweise sicherlich einen konstruktivistischen Lehransatz, funktionieren aber nur bei demenstsprechender Nutzung seitens der Lehrenden und aktiver Teilnahme der Lerner - der oben angesprochene Idealfall.

Wiki als Wissensmanagement-InstrumentNeben Lehre und Privatnutzung wird auch Wissensmanagement häufig als Einsatzgebiet genannt. So ließe sich z.B. ein Blog einsetzen, um Erfahrungen und Ansichten von Mitarbeitern aufzuzeichen und zu archivieren - mit einer entsprechenden Suchfunktion vielleicht eine interessante Erweiterung einer betriebsinternen Wissensdatenbank. Eine weitere Anregung wäre die Nutzung eines Wikis, um Betriebsabläufe transparenter zu machen. Dafür könnte das Wiki eine vorgegebene Struktur erhalten, die mehr oder weniger genau die Abläufe wiederspiegelt. Eine Präzisierung der Struktur sowie Eingabe von Abteilungs-Details, Tätigkeitsbeschreibungen, wichtigen Kontaktpersonen oder sonstigen Informationen wäre später den entsprechenden Stellen überlassen.

Fazit
Nicht mehr ganz neu, rücken Blogs und Wikis aktuell mehr und mehr ins Zentrum des Interesses. Mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und einfacher Bedienung sprechen sie eine breite Nutzergruppe an und werden offenbar auch akzeptiert. Gerade in der Lehre, insbesondere im Hochschulbereich, dürften die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft sein - weder quantitativ noch qualitativ.
Das Potential jedenfalls ist da, ob und wie es genutzt wird bleibt abzuwarten, aber eine Verfolgung des Themas scheint durchaus angebracht.

Mirco Lange

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