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Elektronische Archive beleben den Software-Markt



Von ftd.de, 04.08.04

Die zersplitterte Branche spezialisierter Hersteller konsolidiert. Komplettsysteme für das Dokumentenmanagement sind besonders gefragt.

Der weltweite Markt für Content- und Dokumentenmanagement (DMS)-Software wird nach Schätzung des Analystenhauses Gartner bis zum Jahr 2008 um rund zehn Prozent jährlich auf mehr als 1,7 Mrd. $ wachsen. Dies liege daran, dass Unternehmen "besser integrierte, einfacher zu bedienende und skalierbarere Produkte haben wollen", sagt Tom Eid, Analyst bei Gartner.
Damit sei auch zu begründen, dass der DMS-Markt stärker wächst als der Softwaremarkt für Customer-Relationship-Management oder Supply-Chain-Management. Auch Uwe Weimer, Zentraleuropa-Chef der Softwarefirma Hummingbird, hat das gestiegene Interesse beobachtet: "Wir spüren derzeit ganz deutlich, dass sich unsere Kunden verstärkt mit den Themen Vertrags- und E-Mail-Management auseinandersetzen."


Firmen suchten zunehmend nach einem integrierten Software-Paket für die Verwaltung ihrer Dokumente, sagt Weimer. Nicht mehr das einzelne Managementprogramm für Web-Inhalt sei gefragt, sondern das umfassende Angebot, mit dem alle im Unternehmen vorhandenen Dokumente an einem zentralen Ort abgelegt und auch wieder gefunden werden können.
Ralf Korb, Analyst des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Hewson Group in Bad Nauheim, glaubt, dass Software immer häufiger in der Hoffnung angeschafft wird, damit Geld zu sparen: "Nur in unternehmensübergreifenden einheitlichen Lösungen lassen sich die Potenziale heben und die Kosten dieser umfangreichen Systeme einsparen", sagt Korb.
Kanadier auf Einkaufstour
Was die Software-Hersteller betrifft, ist die Branche bisher stark zersplittert. Doch die Konsolidierung ist im Gange. Im vergangenen Jahr war insbesondere der kanadische Anbieter OpenText auf großer Einkaufstour in Deutschland. Nachdem die Kanadier im August zunächst die Firma SERGauss Interprise kauften, legten sie Mitte Oktober mehr als 200 Mio. Euro für den Münchner Content-Management-Spezialisten Ixos Software auf den Tisch. Keine zwei Wochen später schnappte OpenText sich auch noch den auf Behördensoftware spezialisierten Teilbereich von SER, einem deutschen Dokumentenmanagement-Anbieter. Hierbei hatte OpenText es unter anderem auf die guten Beziehungen zu Behörden abgesehen. Eigenen Angaben zufolge kommt die SER-Sparte auf 150 Kunden mit insgesamt mehr als 40.000 Arbeitsplätzen im deutschsprachigen Raum. Darunter sind acht Bundesministerien sowie Landes- und Kommunalverwaltungen. Zudem verfügt SER über eine so genannte Domea-Zertifizierung, die im Bereich des Dokumentenmanagements als Eintrittskarte für Geschäfte mit der öffentlichen Hand gilt.
Jetzt müssen die Kanadier erst einmal die Zusammenführung der Firmen verdauen. Gute Gelegenheit also für andere Softwarehersteller, ihren Expansionshunger zu stillen. So übernahm der Speichermarktführer EMC die Firma Documentum. EMC bietet sich insbesondere für große Unternehmen an, die große Datenmengen über eine zentrale Datenhaltung verwalten müssen. Eine Stärke von Documentum ist die Fähigkeit, sich an die unterschiedlichsten betrieblichen Organisationsformen anzupassen.
Integration verwandter Angebote
Auch die anderen großen Firmen der Branche haben ihre Spezialitäten. So verfolgt etwa der kalifornische Software-Hersteller Filenet ein Konzept, das stark an Prozessen orientiert ist. Filenet eignet sich daher für derart organisierte Firmen. Zudem wirbt Filenet mit der skalierbaren Architektur seiner Software und dem Fokus auf vertikale Angebote und die Kombinierbarkeit mit anderen Anwendungen.
Hummingbirds Stärke wiederum liegt in der Integration mit verwandten Angeboten wie etwa Portalen, Programmen, die eine Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg ermöglichen (Collaboration), oder solche, die auf die Analyse von Datenmengen eines Unternehmens ausgerichtet sind (Business Intelligence). Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verwaltung von Verträgen, das so genannte Records Management. Der Softwarekonzern IBM hat eine Stärke in der zentralen Verwaltung von Inhalt, selbst wenn dieser dezentral gespeichert wird.
Rundum-Pakete oder Nischenmarkt
Was die Zukunft der Hersteller angeht, kommen die Experten Korb und Weimer zum selben Schluss. Nach ihrer Ansicht werden Firmen, die keine Rundum-Pakete für die Dokumentenverwaltung anbieten, künftig nur noch in Nischen überleben können. Denn das Content-Management werde den gleichen Weg gehen, den das Database-Management in den vergangenen 20 Jahren gegangen ist. War es anfangs noch ein Nischenprodukt in der Software-Branche, so wurde es im Laufe der Zeit mehr und mehr zum unverzichtbaren Bestandteil der IT-Infrastruktur in Unternehmen. "Diese Entwicklung wird zunehmend auch die großen Infrastruktur-Anbieter wie Oracle, SAP oder Hewlett-Packard aktiv werden lassen und zu Käufen animieren", prognostiziert Korb.
Eine besondere Rolle werden die Portal-Angebote spielen, denn Content-Management-Programme werden zunehmend Bestandteil der Infrastruktur und bringen Daten der unterschiedlichsten Programme zusammen, so etwa E-Mail und Web-Sites, aber auch Programme des Enterprise-Resource-Planning oder Systeme für das Customer-Relationship-Management.

Fachmessen
Treffen der Ablage-ProfisWo lege ich meine Word-Dokumente ab? Wie speichere ich meine E-Mails? Welche Codes verpasse ich meinen Dateien und Präsentationen? Und vor allem: Wie sorge ich dafür, dass nicht nur ich, sondern auch alle meine Kollegen und Mitarbeiter in einem Jahr noch wissen, wo all diese Informationen zu finden sind? Welches ist die richtige Software?
Antworten auf diese und viele andere Fragen sucht die IT-Branche vom 7. bis 9. September bei der Fachmesse zum Thema Dokumentenmanagement, der DMS Expo in Essen. Eine Studie des Verbandes Organisations- und Informationssysteme (VOI) lässt erahnen, welch großer Markt sich allein in der Bundesrepublik für die Hersteller eröffnen könnte: Dem VOI zufolge gaben 720 der 1000 befragten Unternehmen an, bislang gar kein Dokumentenmanagement-System einzusetzen.
Details digitaler Betriebsprüfung
Auf der Messe präsentieren allerdings nicht nur die Hersteller von Spezialsoftware ihre neusten Produkte. Interessierte können sich bei Workshops und einer parallel stattfindenden Konferenzreihe informieren und über das austauschen, was ihnen unter den Nägeln brennt. So soll in den Veranstaltungen ein genereller Überblick über den Markt gegeben werden, daneben wird über die juristischen Feinheiten der digitalen Signatur oder die Maßgaben der digitalen Betriebsprüfung (GDPdU) diskutiert und die Europäischen Richtlinien zur elektronischen Archivierung von Dokumenten erklärt. Die Veranstalter versprechen hierfür "hochkarätige" Referenten und Branchenexperten.
Wer im September jedoch keine Zeit hat oder den Weg nach Essen zu beschwerlich findet, hat eine Alternative. Vom 18. bis 22. Oktober findet in München die Fachmesse "Systems" statt. Nach Ankündigung der Veranstalter wird sich auch dort alles um Dokumentenmanagement drehen, aber auch die Themen Web-Content-Management und die Optimierung von Workflows sollen zur Sprache kommen. Die zeitgleich stattfindende "Knowtech-Konferenz" konzentriert sich das Wissensmanagement in Wirtschaft und Verwaltungen.
Alle, die vorher nochmal richtig durchatmen wollen, sollten ein bisschen früher anreisen und sich für den "Medien Golf Cup 2004" anmelden. Dieser findet am Samstag vor der Messe im Rahmen der Medientage München statt.

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